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„kunststoffcampus bayern“ in Weißenburg bekommt Zuwachs

Meldung vom 04.04.2018 In Hutthurm im Landkreis Passau entsteht eine Außenstelle des Weißenburger Technologiezentrums

Die Technische Hochschule Deggendorf wird ihre bisherigen Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten im Bereich der „Polymeren Werkstoffe und deren Anwendung“ ausweiten und im Markt Hutthurm/Landkreis Passau im Frühjahr 2019 einen weiteren Technologiecampus für Kunststofftechnologie einrichten. Dieser weitere Technologiecampus der TH Deggendorf wird dann unter dem Dach des „kunststoffcampus bayern“ als Außenstelle des in Weißenburg bereits bestehenden Technologiezentrums fungieren und die dortigen technologischen Kompetenzen erweitern. Im Rahmen eines gemeinsamen Pressegesprächs am „kunststoffcampus“ in Weißenburg wurden von Prof. Dr. Peter Sperber, Präsident der TH Deggendorf, den Landräten Franz Meyer, Landkreis Passau, und Gerhard Wägemann, Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen, dem Oberbürgermeister Jürgen Schröppel der Großen Kreisstadt Weißenburg i. Bay., sowie dem Ersten Bürgermeister des Marktes Hutthurm, Hermann Baumann, die Eckpunkte des zukünftigen Kooperationsprojekts der Hochschule der Öffentlichkeit vorgestellt.

Während in Weißenburg die bisherigen technologischen Schwerpunkte u.a. in der Entwicklung und Herstellung neuer Kunststoffcompounds, der Direktmetallisierung, dem Bewitterungs- und Alterungsverhalten von Kunststoffen, der Oberflächenmodifizierung sowie bei temperaturüberlagerten Bewegungsstudien von Kunststoffmodulen liegen, soll sich das neue Technologiezentrum in Hutthurm zunächst auf die Simulation von komplexen Fließprozessen in der Kunststofffertigung, die Herstellung von Leichtbaustrukturen sowie auf die Digitalisierung von Fertigungsprozessen und Materialströmen konzentrieren. Als Querschnittsthema für beide Technologiezentren in Weißenburg und Hutthurm gilt dabei die Entwicklung von nachhaltigen und ressourcenschonenden Produktionsprozessen im Bereich der Kunststofftechnik.

Um den kunststoffverarbeitenden Unternehmen ein möglichst breites Kompetenzprofil für die Durchführung von Forschungs- und Entwicklungsvorhaben bieten zu können und ein Höchstmaß an Synergien zwischen den beiden Technologieeinrichtungen zu erzeugen, wird die TH Deggendorf im Technologiezentrum in Weißenburg zentrale Verwaltungsstrukturen zur Steuerung der beiden Einrichtungen aufbauen. Zur Erleichterung der Gesamtkoordination der beiden Einrichtungen werden beide Technologiezentren jeweils unter eine eigene wissenschaftliche Leitung gestellt. Beim Technologiezentrum in Weißenburg hat diese Leitungsaufgabe zwischenzeitlich Prof. Dr. Sigrid Schwub übernommen, die Ende des vergangenen Jahres von der TH Deggendorf zur Professorin für das Lehrgebiet Werkstoffwissenschaften berufen wurde. Nach ihrem Studium der Werkstoffwissenschaften an der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg promovierte sie im Rahmen eines Kooperationsprojekts mit EADS Astrium, einer Tochtergesellschaft der Aerospace Defence and Space Company. Mit dem angeeigneten Methodenwissen ging der Weg nun in die Praxis – als Consultant der Firma Hüttl & Vierkorn, eine mittelständische Technologieberatung im fränkischen Gunzenhausen. Dort war sie mit Prozessoptimierungen, FuE Projektierungen sowie Materialeffizienzanalysen betraut. Zwischenzeitlich liegt auch ihr privater Lebensmittelpunkt in Altmühlfranken, so dass ihr die regionalen Strukturen und Unternehmen bestens vertraut sind. Auch für das neue Technologiezentrum in Hutthurm ist ebenso wie in Weißenburg eine eigene wissenschaftliche Leitung im Rang einer Professur vorgesehen. Der bisherige Fachliche Gesamtleiter des „kunststoffcampus bayern“ Prof. Dr. Christian Wilisch wird die notwendige Gesamtkoordination der beiden Technologieeinrichtungen in Weißenburg und Hutthurm übernehmen und sich hier um sämtliche Abstimmungsfragen zwischen den beiden Einrichtungen kümmern.

Der Freistaat Bayern unterstützt den Aufbau des neuen Technologiezentrums in Hutthurm, der in einem bereits bestehenden Industriegebäude im Gewerbegebiet des Marktes Hutthurm untergebracht werden soll, mit einer staatlichen Anschubfinanzierung.
Der Landkreis Passau erklärte sich im Zuge des Projektförderantrages dazu bereit, gemeinsam mit dem Markt Hutthurm den kommunalen Part der Anschubfinanzierung über fünf Jahre für die Anmietung des bestehenden Industriegebäudes in Hutthurm zu übernehmen. Dabei geht der Landkreis Passau von einer hälftigen Kostentragung gemeinsam mit dem Markt Hutthurm aus. In einer Prognose wird für den 5-Jahreszeitraum mit Gesamtmietkosten (Räumlichkeiten plus Nebenkosten, inkl. MwSt) in Höhe von bis zu 300.000 Euro gerechnet, so dass sich ein Anteil des Landkreises Passau in Höhe von bis zu 150.000 Euro und eine Jahresbeteiligung in Höhe von bis zu 30.000 Euro ergibt. Im Landkreis Passau existieren mit dem Technologie-Zentrum Energie (TZE) in Ruhstorf a.d. Rott und der Studienaußenstelle Hauzenberg bereits zwei sehr erfolgreiche Einrichtungen der Hochschule Landshut. Mit der Außenstelle des „kunststoffcampus bayern“ in Hutthurm komme nunmehr in Verantwortung der TH Deggendorf eine weitere hochwertige Hochschul-Institution hinzu, zeigte sich Landrat Franz Meyer erfreut. Meyer sprach hierbei von einem Gewinn für die gesamte Region und unterstrich dies auch als Vorsitzender des Bezirksverbandes Niederbayern im Bayerischen Landkreistag.

Prof. Dr. Peter Sperber, Präsident der TH Deggendorf, Landrat Franz Meyer, Landrat Gerhard Wägemann, Oberbürgermeister Jürgen Schröppel und der Erste Bürgermeister des Marktes Hutthurm, Hermann Baumann, zeigten sich im Rahmen des gemeinsamen Pressegesprächs zuversichtlich, dass die neue Außenstelle des „kunststoffcampus bayern“ in Niederbayern nicht nur für die dort heimische Industrie ein wichtiger Technologiepartner werden wird, sondern dass die Synergieeffekte der beiden Einrichtungen die anwendungsorientierte Forschung an beiden Standorten stärken wird und damit auch Fördermittel aufgrund der breiteren technologischen Kompetenzen erfolgreicher eingeworben werden können. Alle Gesprächspartner waren sich einig, dass die angedachte Struktur mit jeweils einer wissenschaftlichen Leitung an der Haupteinrichtung des „kunststoffcampus bayern“ in Weißenburg und der Außenstelle in Hutthurm unter der gesamtverantwortlichen Führung der Gesamtleitung optimale Voraussetzungen für das Gelingen des Projekts schafft.

Das weitere Vorgehen beinhaltet zunächst die Suche und anschließende Berufung eines wissenschaftlichen Leiters in Hutthurm, der Herrichtung des bereits bestehenden Gebäudes in Hutthurm für die Zwecke des Technologiecampus sowie die weitere, vertiefende Diskussionen mit Industriepartnern – regional und überregional – über Details der fachlichen Ausrichtung des „kunststoffcampus bayern“.