Kreistag Landkreissaal Februar 2017
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Robert Muthmann

Ein Landrat, der auch Künstler war

Robert Muthmann: Journalist, Politiker, Rechtsanwalt und Dichter − Er schrieb mehrere Bücher

Von Karin Mertl

Salzweg. "Was ha ma eigentlich gemacht? Warum ha ma ihn gekriegt?", überlegt Robert Muthmann laut. Es muss wegen der Künstler gewesen sein, meint der 84-Jährige dann. Um sie bekannt zu machen, hat er mehrere Bücher geschrieben. Ein Landkreis soll schließlich wissen, welche Künstler er hat, sagt der Salzweger. Die Bücher stammen aus der Zeit, als Muthmann schon im Ruhestand war. Davor arbeitete er als Journalist, Regierungsrat, Landrat des Alt-Landkreises Wegscheid und Rechtsanwalt. Den Ehrenring überreichte ihm Landrat Hanns Dorfner im Mai 1993.

Er stellte die Künstler des Landkreises vor „Was ha ma eigentlich gemacht?" Während unsereins angesichts dieses bewegten Lebens ins Staunen gerät, sitzt Robert Muthmann entspannt in seinem Sessel und lächelt. Dass er in der dritten Person Plural spricht, zeigt nicht nur seine Bescheidenheit, sondern auch die Wertschätzung gegenüber seiner Frau Hermine, die immer seine loyale Weggefährtin geblieben ist. Sie erinnert sich heute noch an die Worte von Landrat Dorfner, der sagte, dass Robert Muthmann nicht den Kulturpreis, sondern den Ehrenring bekommen sollte. Der Salzweger hatte damals ein Buch über die Maler und Bildhauer des Landkreises veröffentlicht, ein zweites war gerade in Arbeit. „Das ist der Anlass für die Auszeichnung gewesen", meint das Ehepaar.

Heute kann Muthmann auf über ein Dutzend selbst verfasster Bücher zurückblicken, auf zahlreiche Artikel − unter anderem für den Kunstverein Passau − sowie auf viele publizierte Gedichte, Aphorismen und Essays. „Ich hatte schon immer ein bisschen Gedichte geschrieben", erklärt er seine Verbindung zu den schönen Künsten. Aus dem Stegreif rezitiert er einen seiner Lieblingsverse: „Heute nicht mehr, aber morgen. Morgen fang ich damit an, mich zu bessern. Nicht für immer − aber dann und wann." Seine Wortbeiträge stellte er unter anderem ausgewählten Bildern von Josef Fruth, Herbert Muckenschnabel oder Harald Sattler in gemeinsamen Büchern zur Seite.

Die Liebe zur Sprache und zum Schreiben konnte er schon in seinem ersten Beruf als Journalist ausleben. Seine Laufbahn begonnen hat Muthmann, 1922 in Wuppertal geboren, bei der „Schwäbischen Donau-Zeitung". Später ging er nach München zur „Münchner Mittag", dem heutigen „Merkur", dann zum „Bayerischen Rundfunk" und zur „Abendzeitung". Dort hatte er eine eigene Rubrik mit Sprechstunde unter dem Titel „Robert weiß alles". Er recherchierte nach den Wünschen seiner Leser die verschiedensten Themen. An zwei erinnert er sich noch gut: „Ist Coca Cola gesundheitsschädlich?" Und: „Wie werden Chevapchici gemacht?"

Nebenher begann er ein Jura-Studium, das er später mit Erfolg abschloss. „1958 bin ich dann zum Staat gegangen", berichtet er. Als Regierungsrat war er an der Regierung Schwaben und Oberbayern und am Landratsamt Passau tätig. „Zuerst waren wir nicht sehr begeistert, als Robert nach Passau versetzt wurde. Aber dann hat es uns vom ersten Tag an gefallen", erzählt seine Frau.

Er lebte sich gut ein. Und fünf Jahre danach wurde er gebeten, als Landrat für den Alt-Landkreis Wegscheid zu kandidieren. „Mutig wie ich bin, hab’ ich das gemacht", sagt der 84-Jährige mit einem Augenzwinkern. Er gewann als Parteiloser gegen den CSU-Kandidaten Graf Preysing. „Das war schon überraschend. Schließlich war mein Mann ein Preiß’ und dazu auch noch lutherisch", erinnert sich Hermine Muthmann lachend. Bis zur Gebietsreform 1972, also acht Jahre lang, regierte Muthmann das Wegscheider Land. „Das waren noch Zeiten. Da spielte Geld überhaupt keine Rolle. Wir konnten bauen, was wir wollten", sagt er. Zum Beispiel das Gymnasium in Untergriesbach, das unter seiner Regie entstanden ist. Mit der heutigen Situation sei das nicht vergleichbar, wenn er von den Finanzzwängen seines Sohnes Alexander, dem derzeitigen Landrat von Freyung-Grafenau, hört.

Ring hat Ehrenplatz im Arbeitszimmer.

Nach der Gebietsreform wechselte Robert Muthmann erneut das Metier. Er eröffnete seine eigene Rechtsanwaltskanzlei in Passau. Dort arbeitete er bis zum Ruhestand. Und dann fand er endlich Zeit, sich der Kunst zu widmen. „Es ist ganz schön, dass ich den Ehrenring bekommen habe", sagt Muthmann. „Wenn man auch oft nicht weiß, wofür man was bekommen hat", sinniert er. Der Ehrenring war nicht die einzige Auszeichnung. Für sein Wirken wurden ihm auch das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse und die Ehrenbürgerwürde des Marktes Wegscheid zugesprochen. Den Ehrenring bewahrt er in einem Stehpult in seinem Arbeitszimmer auf. Bei Festen trägt er ihn selbstverständlich. Und auch nach dem Interview steckt er das Schmuckstück an den Finger − für die Fotografin.