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GESIK

1. Was ist GESIK?

Die bisher in Bayern durchgeführte Schuleingangsuntersuchung (SEU) deckt einige Entwicklungsbereiche (wie Rechenvorläuferfähigkeiten oder die visuelle Wahrnehmung) nicht ab. Das bedeutet, dass ein Teil der Kinder, bei denen eigentlich ein Förderbedarf bestehen würde, nicht identifiziert werden kann.

Zum anderen findet die bisherige SEU im Vorschuljahr und damit teilweise so spät statt, dass für eine Förderung oder Therapie vor Schulbeginn kaum mehr Zeit bleibt.
 
Aus diesem Grund wurde ein neues Untersuchungskonzept entwickelt und unter dem Namen „Gesundheits- und Entwicklungsscreening im Kindergartenalter (GESIK)“ bereits in 6 bayerischen Gesundheitsämtern als Pilot-Projekt in den vergangenen 3 Jahren praktiziert. Dabei wurden sowohl der Untersuchungsumfang  als auch der Zeitpunkt der Untersuchung verändert (s.u.).

Das neue Konzept bewährte sich in der Praxis uneingeschränkt, so dass aufgrund eines Ministerrats-Beschlusses eine flächendeckende Einführung GESIKs in Bayern als verpflichtende neue Untersuchung im Kindergartenalter ab dem nächsten Untersuchungsjahr 2019 / 2020 realisiert werden kann.

Da die gesetzliche Grundlage noch geschaffen werden muss, ist im derzeitigen Untersuchungsjahr 2018 / 2019 GESIK noch eine freiwillige Untersuchung, die aber die bisherige SEU vollständig ersetzt.

2. Welche Kinder können in diesem Jahr an GESIK teilnehmen?

Im derzeitigen Untersuchungszeitraum 2018 / 2019 können all die Kinder an GESIK teilnehmen, die im Zeitraum zwischen Oktober 2013 und September 2014 geboren wurden. Das bedeutet, dass die Untersuchung damit in das Jahr vor dem Vorschuljahr gerückt wird und somit für eventuell notwendige Fördermaßnahmen oder Therapien ein ganzes Jahr länger Zeit verbleibt. Die Eltern erhalten im Laufe des Untersuchungszeitraums rechtzeitig eine schriftliche Einladung zu GESIK mit einem individuellen Untersuchungstermin.

3. Wie läuft GESIK ab?

Um optimale ruhige Untersuchungsbedingungen gewährleisten zu können, findet GESIK wie die bisherige SEU auch im Gesundheitsamt statt. Auch GESIK ist in 2 Teile gegliedert, nimmt aber durch Berücksichtigung neuer Einzelaspekte mehr Zeit in Anspruch und ist damit ausführlicher:

Teil I besteht aus einer Untersuchung durch eine sozialmedizinische Assistentin, die ca. 60 Minuten dauert und folgende Einzelaspekte umfasst:

  • Erhebung der Vorgeschichte bezügl. Gesundheit und Entwicklung
  • Erhebung des Impfstatus und Impfberatung
  • Überprüfung der Teilnahme an den verpflichtenden Früherkennungsuntersuchungen U1 – U9 (gelbes Heft)
  • Messung von Körperlänge und Gewicht
  • Apparativer Seh- und Hörtest
  • standardisiertes Sprach- und Sprechscreening
  • standardisiertes Fein- und Grobmotorik-Screening
  • Überprüfung des Farbenbenennens
  • Überprüfung von Fähigkeiten, die als Voraussetzung für schulisches Lernen gelten (visuelle Wahrnehmung, Zahlen- und Mengenverständnis)
  • statistische Erfassung der erhobenen Daten

Teil II besteht aus einer schulärztlichen Untersuchung, die dann im Anschluss erfolgt, wenn:

  • der Nachweis über die verpflichtende U9 nicht erbracht werden kann (weil sie aus Altersgründen noch nicht stattfand oder weil sie versäumt wurde)
  • bei chronischen Erkrankungen, die für den Schulalltag relevant sein können
  • bei Auffälligkeiten in der vorangehenden Untersuchung durch die sozialmedizinische Assistentin
  • bei Fragen bezüglich vorzeitiger Einschulung oder Rückstellung
  • bei Kindern, die keine vorschulische Einrichtung (Kindergarten) besuchen
  • bei Verdacht auf Vernachlässigung oder Misshandlung
  • auf Wunsch der Eltern

Hier ist der Zeitaufwand abhängig von der jeweiligen Fragestellung bzw. vom jeweiligen Grund für die ärztliche Untersuchung.

Sollten sich im Teil II, der ärztlichen Untersuchung, weitere abklärungsbedürftige Befunde oder die Notwendigkeit einer Therapie ergeben haben, so ist eine nochmalige ärztliche Kontroll-Untersuchung im Folgejahr, d.h. im Vorschuljahr des Kindes, möglich und sinnvoll, um den Verlauf der Entwicklung und den Erfolg einer eventuell eingeleiteten Therapie abschätzen zu können. Dazu werden zwischen Arzt und Eltern individuelle Termine vereinbart.

4.    Welche Unterlagen sollten zu GESIK mitgebracht werden?

  • Das gelbe Heft über die Früherkennungsuntersuchungen (ggf. mit Zusatzblatt über U8 / U9) sowie Impfausweis oder Impfbescheinigungen (die Vorlage dieser Dokumente ist gemäß Art.14 des „Gesundheitsdienst- und Verbraucherschutz-Gesetzes (GDVG)“ Pflicht!)
  • Der ausgefüllte Fragebogen über die medizinische Vorgeschichte, der der schriftlichen Einladung beiligt
  • Falls vorhanden:
    Brille, Hörgerät, Schwerbehindertenausweis
    Bescheinigung vom HNO- bzw. Augenarzt, falls in den vergangenen 3 Monaten ein Seh- oder Hörtest durchgeführt wurde

 5. Was für Vorteile hat Ihr Kind durch GESIK?

  • Bei GESIK wurde der Untersuchungsumfang um die Prüfung des Zahlen- und Mengenverständnisses (sogenannte Rechenvorläuferfähigkeiten) sowie um die visuelle Wahrnehmung (ein Teilaspekt der nicht von der deutschen Sprache abhängigen Intelligenz) erweitert. Kinder, die in diesen Teilbereichen Schwierigkeiten aufwiesen, wurden in der bis-herigen SEU nicht herausgefiltert. In GESIK  können sie nun erkannt und einer entsprechenden Fördermaßnahme zugeführt werden.
  • GESIK findet ein Jahr früher statt als die bisherige SEU, d.h. im Alter zwischen 4 und 5 Jahren. Dieses Alter gilt als optimaler Förderzeitraum für verschiedene Entwicklungsverzögerungen, sozusagen als Zeitfenster, in dem bestimmte schulrelevante Defizite besonders gut therapierbar sind.
  • Der Zeitraum für mögliche Therapie- und Fördermaßnahmen bis zur Einschulung verlängert sich durch die Vorverlegung der Untersuchung um bis zu einem Jahr. Es liegt auf der Hand, dass sich damit auch größere Therapieerfolge einstellen können.
  • Stellt die Sozialmedizinische Assistentin Auffälligkeiten im Screening fest, besteht unmittelbar im Anschluss die Möglichkeit, im Rahmen einer ersten ärztlichen Untersuchung diese Auffälligkeiten näher zu bestimmen, die Befunde zu besprechen, Therapiemöglichkeiten zu erörtern und Unsicherheiten aus dem Weg zu räumen. Alle Eltern sollen gut beraten und unterstützt aus GESIK hervorgehen!
  • Die im Folgejahr mögliche zweite ärztliche Untersuchung soll Therapie- und Förder-Erfolge feststellen und Raum geben für eine nochmalige Beratung.

6. Was geschieht mit den erhobenen Daten?

Alle erhobenen Daten werden anonymisiert und zur weiteren statistischen Erfassung ohne Namen und Anschrift an das „Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL)“ weitergeleitet. Somit können wichtige  Erkenntnisse über den aktuellen Gesundheitszustand der Kinder in Bayern, auch im Vergleich zu anderen Bundesländern, gewonnen werden.

Da GESIK in diesem Untersuchungsjahr 2018 / 2019 noch auf freiwilliger Basis erfolgt (erst im kommenden Jahr ersetzt es die bisherige SEU als Pflichtuntersuchung), erklären Sie sich durch Ihre Teilnahme automatisch mit der Weitergabe der anonymisierten Daten an das LGL einverstanden.

Eine Weitergabe an andere Stellen (Schule), erfolgt nur, wenn ein Befund erhoben wird, der für die Unterrichtsgestaltung von Bedeutung ist (z.B. das Angewiesensein Ihres Kindes auf einen Rollstuhl). Wünschen die Eltern eine weiter reichende Information der Schule, so ist dies nur mit ihrem schriftlichen Einverständnis erlaubt!

Weitere Informationen bezüglich GESIK finden Sie auf der LGL-Seite unter:

https://www.lgl.bayern.de/gesundheit/praevention/kindergesundheit/gesik/index.htm

Den GESIK-Informationsflyer finden Sie unter:

https://www.lgl.bayern.de/downloads/gesundheit/gesundheitsfoerderung/doc/gesik_flyer_einladung_deutsch.pdf

Die Umstellung von der bisherigen SEU auf GESIK als Pflichtuntersuchung soll flächendeckend in ganz Bayern so schnell wie möglich vollzogen werden. Aufgrund der großen Anzahl an Kindern, die im jetzigen Untersuchungsjahr 2018 / 2019 noch mit der bisherigen SEU erfasst werden müssen, kann voraussichtlich nicht allen Kinder des Geburtszeitraums von Oktober 2013 bis September 2014 eine GESIK-Untersuchung angeboten werden. Wir bitten dafür vielmals um Ihr Verständnis!

Für weitere Rückfragen steht Ihnen das Schulgesundheits-Team unter unten aufgeführten Kontaktadressen selbstverständlich zur Verfügung!