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Naturschutzbehörde warnt: Fremde Arten bedrohen heimische Tier- und Pflanzenwelt

Meldung vom 23.08.2019 Probleme treten besonders in Gewässern auf – Tiere werden oft ausgesetzt

Rotwangenschildkröten sind eigentlich in Nordamerika beheimatet. Ausgesetzte Exemplare fühlen sich aber auch an der Donau wohl. Sie können zu einem großen Problem für die heimische Tier- und Pflanzenwelt werden.

Passau. Immer wieder findet man in Tümpeln oder auch in Bächen und Flüssen Arten, die da nicht hingehören. Man wundert sich, warum auf einmal Goldfische in Amphibientümpeln oder Sumpfschildkröten in den Altwässern an Donau und Inn auftauchen.

Christiane Kotz von der Naturschutzbehörde am Landratsamt Passau kennt diese Problematik und weiß: „Diese fremden Tiere gefährden unsere heimischen Arten.“ Auch der Sterlet in der Donau sei davon betroffen. „Die einzige Population des Sterlets in Deutschland und Österreich unterhalb des Kraftwerks Jochenstein an der Landesgrenze ist einerseits durch den Verlust wichtiger Lebensräume  bedroht, andrerseits ist diese letzte Population auch durch einen anderen Fisch gefährdet, der als Sterlet für Gartenteiche verkauft wird,“ so die Naturschutzreferentin des Landkreises Passau. Meist handle es sich dabei um den Sibirischen Stör oder um Hybride aus dem Sterlet und dem Hausen. Diese „Gartenteich-Sterlets“ gelangen oft in die freie Natur, weil der Fisch entweder zu groß für den eigenen Teich wird oder er  einfach nicht mehr gewünscht sei, vermutet Kotz. Dabei ist das Freisetzen nicht heimischer Pflanzen und Tiere in die freie Natur im Naturschutzgesetzt verboten und kann mit entsprechenden Bußgeldern geahndet werden.

Alle Störarten brauchen einen Strom wie die Donau oder den Inn, in einem kleineren Gewässer fühlen sie sich nicht wohl. Vor allem im Winter benötigen sie tiefe Bereiche, wie sie die Donau unterhalb von Passau bis Linz aufweist. „So suchen und gelangen schließlich diese ‚Gartenteich-Sterlets‘ ebenfalls in den Bereich unterhalb des Kraftwerks Jochenstein“ erklärt Christiane Kotz den Weg der ausgesetzten Tiere. Weil dort auch die echten Donau-Sterlets nicht mehr so häufig vorkommen, verpaaren sie sich mit den „Gartenteich-Sterlets“. „Während man anfangs davon ausging, diese Hybriden seien nicht fruchtbar, kommen die Fachleute heute zu dem Ergebnis, dass dies doch der Fall ist. So besteht die Gefahr, dass der Donau-Sterlet in Deutschland ausstirbt und Hybride seinen Platz einnehmen,“ warnt die Naturschutzreferentin.

Diesem Problem will man natürlich gegensteuern. Deshalb wurde das Haus am Strom in einem Projekt für die Naturschutzbehörde im Landkreis beauftragt, die Öffentlichkeit auf die Gefahren durch ausgesetzte Tiere aufmerksam zu machen und mit Verkaufsstellen solcher Arten in Kontakt zu treten. Denn nicht nur beim Sterlet machen Tiere aus der menschlichen Haltung Probleme. „Bei Fürstenzell haben ausgesetzte Goldfische zum Aussterben von Laubfröschen geführt. Die gefürchtete Krebspest führt seit Jahren zum Sterben der heimischen Edel- und Bachkrebse, weil die amerikanischen Krebse, die aus Zuchten entkommen sind immun dagegen sind. Rot- und Gelbwangen-Sumpfschildkröten sind allenthalben auf der Windorfer Donauinsel zu finden, ihr Einfluss auf das Ökosystem ist nur schwer zu fassen, während die Kanadische Wasserpest die einheimischen Wasserpflanzen überwuchert,“ zählt Christiane Kotz einige Beispiele auf. Viele neue Arten werden momentan in oder an den heimischen Gewässern gefunden. „Welchen Einfluss beispielsweise der asiatische Schlammpeitzger auf den stark bedrohten heimischen Schlammpeitzger, oder die vielen verschiedenen meist aus Asien stammenden Teichmuscheln haben, wissen wir nicht. Angler brachten vor einigen Jahren schon Süßwassergarnelen ins Haus am Strom, die in der Donau in Massen auftraten. Nach der Identifizierung als Aquarienflüchtlinge sollten sie im Donauaquarium verfüttert werden. Die heimischen Fische spuckten sie aber wieder aus und verschmähten sie. Der Einfluss dieser in Massen auftretenden Süßwassergarnelen auf die heimischen Kleinkrebse ist völlig unbekannt, aber es ist stark anzunehmen, dass Ruderfußkrebse und Co. den Kürzeren ziehen“, vermutet Christiane Kotz.

In dem Projekt mit dem Haus am Strom wird der Kontakt zu Verkaufsstellen gesucht und gemeinsam nach Lösungsansätzen gesucht: Kann man bestimmte Tiere eventuell zurücknehmen, oder soll eine Börse im Internet beworben werden? Vielleicht haben auch die Verkaufsstellen schon eine Strategie, wie sie mit solchen Tieren umgehen. Die erarbeiteten Lösungsansätze sollen später in einem Flugblatt dargestellt werden, das beim Verkauf den Kunden mitgegeben werden soll. So will die Naturschutzbehörde schon beim Kauf derartiger Aquarientiere die potenziellen Käufer sensibilisieren und auf sorgsamen Umgang mit diesen Tieren aufmerksam machen.