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„Ein Katastrophenfall, wie wir ihn bisher nicht kannten“

Seit Mitte März beschäftigt die Corona-Krise den Katastrophenschutz im Landkreis Passau. Das Team der FüGK mit Simon Pilsl (l.) und Josef Ascher musste sich besonders zu Beginn auf neue Herausforderungen einstellen.

Meldung vom 01.06.2020 Corona-Krise fordert Katastrophenschutz – Örtlicher Einsatzleiter Josef Ascher berichtet über die Herausforderungen der Pandemie

Passau. Als Örtlicher Einsatzleiter der Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK) ist Josef Ascher einer der Verantwortlichen für Katastrophenschutzaufgaben im Landkreis Passau. Ascher hat bereits viele Ausnahmesituationen erlebt und koordinierte bei Hochwasserereignissen oder Stürmen die Einsätze. Die Corona-Pandemie bringt für den erfahrenen Feuerwehrmann besondere Herausforderungen mit sich - „es ist ein Katastrophenfall, wie wir ihn bisher nicht kannten,“ sagt Josef Ascher.

Der Kampf gegen Corona ist die sechste Katastrophe, in deren Bewältigung Josef Ascher als Örtlicher Einsatzleiter eingebunden ist. Ihn bringt so leicht nichts aus der Ruhe. Das liegt sicher auch an seinen Erfahrungen als Kreisbrandrat des Landkreises Passau, auf die Ascher bei seiner Arbeit zurückgreifen kann. Und auch der Rest des Teams der FüGK ist katastrophenerprobt. Dennoch fordert die Corona-Krise die Kräfte des Katastrophenschutzes enorm, weiß Ascher. „Hochwasser, Sturm oder Großbrände: mit all dem haben wir gelernt umzugehen. Wir wissen aus unseren Erfahrungen, wie wir diese Herausforderungen bewältigen können.“ Natürlich könne in jedem Katastrophenfall etwas Unvorhergesehenes passieren, die Herangehensweise läuft aber immer nach ähnlichen Mustern ab. Der Corona-Katastrophenfall unterscheidet sich aber in einigen wesentlichen Eigenschaften von den bisherigen Ausnahmesituationen. Es ist der erste bayernweit ausgerufene Katastrophenfall. Die Vernetzung und die Kommunikation von den Kreisverwaltungsbehörden über die Regierung auf Bezirksebene bis hinauf in den Landeskatastrophenstab ist viel detaillierte und enger abgestimmt als in regional begrenzten Katastrophenfällen.

 „Jeden Sturm, jedes Hochwasser und auch jeden Großbrand können wir sehen, das Virus hingegen ist zunächst unsichtbar. Umso schwieriger ist es, sich gegen die unsichtbare Gefahr zu schützen,“ beschreibt es der Örtliche Einsatzleiter. Hinzu komme, dass man in den bisher bekannten Katastrophenfällen viel mehr technisches und taktisches Wissen braucht als medizinische Kenntnisse. „Das braucht man bei Naturereignissen oder bei Bränden vor Ort, wo es Verletzte gibt, aber weniger im Führungsstab,“ so Ascher. „Hier mussten wir uns erst einmal erfahrene Mediziner in die Führungsgruppe holen.“ Das hat auch die Staatsregierung erkannt und für alle Landkreise und kreisfreien Städte die Funktionen eines Ärztlichen Leiters FüGK und des Versorgungsarztes geschaffen, um überall einheitliche Strukturen zu erhalten.

Auch die Aufgabenschwerpunkte der FüGK sind in der Corona-Krise anders als in anderen Katastrophenfällen. „Die Beschaffung und Verteilung von Schutzmaterial oder die Vorbereitung von Notfallplänen beispielsweise zur Einrichtung von Hilfskrankenhäusern bringt man am ehesten noch mit dem Katastrophenschutz in Verbindung,“ sagt Josef Ascher. „Gerade in den ersten Wochen war es besonders schwierig, an Schutzmasken oder Desinfektionsmittel zu kommen.“ Durch Verbindungen regionaler Unternehmen zu Herstellern solcher Materialien unter anderem in China war es möglich die Versorgung der Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen mit Schutzmaterial sicherzustellen. „Noch mehr haben wir uns über Spenden von einigen Unternehmen  aus dem Landkreis gefreut,“ erzählt Ascher. „So haben uns zum Beispiel die Firma Knorr Bremse aus Aldersbach, die Firma Sumida aus Obernzell und die Belegschaft der Firma BSA in Obernzell mit großzügigen Maskenspenden unterstützt. Dafür sind wir sehr dankbar.“

Daneben unterstützte die FüGK auch das Gesundheitsamt. Denn die Aufgaben beispielsweise der teils aufwendigen Kontaktpersonenermittlung ist mit den regulären Kapazitäten des Gesundheitsamtes nicht zu leisten. In den Zeiten mit den höchsten Infektionszahlen führten hier bis zu drei Dutzend Mitarbeiter über 400 Telefonate am Tag.

Der wohl größte Unterschied der Corona-Krise zu anderen Ausnahmesituationen ist aber die Dauer der Katastrophe. Ein Sturm ist oft nach wenigen Stunden vorbei, auch ein Feuer ist in der Regel innerhalb eines Tages gelöscht, ein Hochwasserereignis hält höchstens für eine gute Woche an. „Die Corona-Pandemie fordert uns aber mittlerweile schon seit über zwei Monaten ohne Pause. Wir haben großes Glück, dass wir auf einen großen Personalstamm aus unserem eigenen Haus zurückgreifen können und dass uns der Freistaat mit Mitarbeitern anderer Behörden unterstützt,“ zeigt sich Ascher dankbar. Dennoch sei es von Woche zu Woche eine Herausforderung, das verfügbare Personal entsprechend der anfallenden Aufgaben sinnvoll einzusetzen, weiß auch Simon Pilsl, der sich unter anderem um die Dienstpläne und zusätzliche Personalkapazitäten kümmert. „Einerseits müssen wir genügend Personal einsetzen, um beispielsweise die Kontaktpersonenermittlung schnellstmöglich abzuwickeln oder die Beschaffung und Verteilung von Schutzmaterial in ausreichendem Rahmen sicherzustellen. Andererseits ist aber auch ein weitsichtiger Umgang mit den Personalressourcen gefragt, denn es war von Anfang an klar, dass wir über mehrere Wochen einen Dauerbetrieb – auch an Wochenenden und Feiertagen – sicherstellen müssen,“ so Pilsl. Denn neben der Tätigkeit im Zusammenhang mit dem Corona-Katastrophenfall mussten die bis zu 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Simon Pilsl in seinem Personalpool hatte, zum Teil auch noch ihren eigentlichen Aufgaben nachkommen.

„Wir haben uns auf die Situation eingestellt und uns in den neuen Aufgaben zurechtgefunden. Auch wenn wir jetzt gelernt haben damit umzugehen und sich die Lage momentan vorsichtig zu entspannen scheint: Wir wissen nicht, was die nächsten Wochen und Monate bringen,“ sagt Josef Ascher. „Wir hoffen natürlich das Beste, sind aber auf alles vorbereitet.“

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